Kukum von Michel Jean

Almanda Fortier ist Waise und lebt mit einem Paar, das sie Onkel und Tante nennt, auf einem Bauernhof. Sie unterstütz sie bei den täglichen Arbeiten, hütet am liebsten die Kühe. Eines Tages trifft das junge Mädchen den Innu Thomas Siméon und verliebt sich in ihn. Sie verständigen sich mit Gesten, wo es an Worten fehlt, und er erzählt ihr von seinen Jagden, den Seen und Flüssen, die er Pekuakami und Péribonka nennt. Es ist eine freie, ihr unbekannte Welt, von der er ihr erzählt und nach jedem Treffen wächst in ihr die Sehnsucht, in dieser Welt zu leben. Als Thomas sie bittet, mit ihm zu gehen, zögert sie nicht. Sie lässt ihr sesshaftes Leben hinter sich, tauscht es gegen Neues ein.

Fortan zieht sie mit den Siméons – Thomas Vater Malek, seinem Bruder Daniel und seinen Schwestern Christine und Marie – durch das Land, erlernt ihre Sprache und Kultur, in dem sie beobachtet, zuhört, mit anpackt. Sie lernt auch zu jagen, im Einklang mit der Natur zu leben, immer an der Seite ihres Thomas. Doch dieses Leben währt nicht ewig.

In Kukum vermischen sich die Zeitebenen. Almanda blickt auf ihre erste Begegnung mit Thomas zurück, ihren gemeinsamen Aufbruch nach Nutshimit, wo sie lernte, einen Innu zu sein. Und dann nimmt sie Dinge und Geschehnisse aus der Zukunft vorweg, wo Thomas nicht mehr an ihrer Seite und die Welt bzw. das Leben, das er ihr versprochen hat, nicht mehr möglich ist.

Michel Jean erzählt in seinem erfolgreichen Roman die Geschichte seiner Urgroßmutter. Die Bücher Atuk und Tiohtia:ke bilden zusammen mit Kukum eine Trilogie, in der das Leben und die Kultur der Innu bis heute gezeigt wird.

 

 

Michel Jean: Kukum
Libre Expression, 2019
224 Seiten
ISBN 978-2-76481-344-7
24,95 $

 

 

2020 wurde Michel Jean für seinen Roman mit dem Prix Fance-Québec ausgezeichnet.
In Frankreich ist Kukum bei Dépaysage erschienen und 2021 in deutscher Übersetzung beim Wieser Verlag.

Ein Zitat:
« Il n’était guère plus vieux que moi. Mais son regard exprimait déjà une sagesse et une force qui m’ont conquis. Thomas m’a raconté la Péribonka avec cette économie de mots que j’allais apprendre à apprécier. Si sa voix chantante pouvait paraître hésitante par moments, jamais je n’ai vu d’homme plus sûr de lui. » – Michel Jean: Kukum, Libre Expression, 2019, S. 17-18