Sports et divertissements von Jean-Philippe Baril Guērard

Sie sind jung, erfolgreich, sportlich und genießen das Leben in vollen Zügen. Sie sind Schauspieler, Künstler, Autoren und Regisseure, die in den Tag hinein leben. Sie machen Party, konsumieren das eine oder andere Mal Drogen und bestimmen selbst über ihr Leben. Einige dieser Vorurteile trifft auf die Protagonisten im Debütroman von Jean-Philippe Baril Guērard zu, der es kurz nach seiner Veröffentlichung in die Vorauswahl des Prix des libraires du Québec 2015 geschafft hat.

Sports et divertissements ist eine Anlehung an das gleichnamige Werk von Erik Satie, das aus 20 Illustrationen und kurzen Storys besteht und ein Werk der Phantasie ist. Jean-Philippe Baril Guērard, Schauspieler, Autor und Kolumnist, hat seine Story im Montréal des 21. Jahrhundert verortet. Es sind die Freunde David, Félix-Antoine und die namenlose Erzählerin, deren Zeitvertreib er in den Fokus seines Debütromans stellt. Die Protagonisten sind Anfang 20. Ihr Alltag lässt ihnen viel Freiraum für sportliche und weniger sportliche Aktivitäten wie Partys. Sie kennen sich aus der Zeit, in der sie gemeinsam in einer Serie gespielt haben, für die sie auch später noch angesprochen werden. Jahre später ist es ihnen möglich, sich selbst zu verwirklichen. Durch ihren damaligen Erfolg erhält die Erzählerin ausreichend Aufträge, so dass für ihren Lebensunterhalt gesorgt ist. Eine wirkliche Kontrolle über ihre Finanzen hat sie allerdings nicht, denn die Kreditkarte ist ein grenzenloses Zahlungsmittel. Die meiste Zeit widmet sie ihren sozialen Kontakten. Auf einer Party lernt sie schließlich Gab kennen, mit dem sie nach Hause geht. Doch der Abend endet ziemlich enttäuschend. Dennoch erhält sie von ihm eine Freundschaftsanfrage via Facebook, die sie akzeptiert. Es entwickelt sich eine Beziehung zu ihm, die durch ein Ereignis erschüttert wird. Daraufhin setzt die Erzählerin sich mit ihrem Leben auseinander. Ihr Bewusstseinsstrom entlädt sich in Nachrichten, die über soziale Netzwerke verschickt werden und das Private in einen öffentlichen Raum führen.

Jean-Philippe Baril Guērard liefert in seinem ersten Roman Sports et divertissements einen Blick auf die Welt der kulturellen Akteure. Dabei beschränkt er sich nicht auf die positiven Seiten des Businesses, sondern zeigt auch den Kampf einiger, die sich im Geschäft nicht halten können.

 

 

Jean-Philippe Baril Guērard: Sports et divertissements
Roman
Les Éditions de Ta Mère, 2014
248 Seiten
20 $

 

 

Sports et divertissements zählte zu den vorausgewählten Romanen für den Prix des libraires du Québec 2015.

Ein Zitat:
« Je texte David. Félix aura pas de réponse très vite ; David se lève rarement avant midi. Une éternité, sur notre échelle : on vit très mal avec le fait de pas avoir accès immédiatement à une information, quelle qu’elle soit, même inutile, surtout inutile. Je comprends l’impatience de Félix-Antoine : hier, par exemple, on parlait de loutres en buvant une bière et mon cellulaire a perdu le signal, et ça m’a terriblement angoissée de pas pouvoir googler de photos de loutres pour agrémenter notre discussion. On a beau dire qu’il y a vingt ans on attendait avant de rechercher une info, ça me fait rien, moi. Il y a cent ans on roulait en carriole, et personne dit qu’aujourd’hui c’est plus pareil parce que les voitures vont trop vite. Quand tous les boomers seront mortes, plus personne regrettera le temps où on vivait sans cellulaire. » – Jean-Philippe Baril Guērard: Sports et divertissements, Les Éditions de Ta Mère, 2014, S. 19-20