Literatur aus Kanada auf der Frankfurter Buchmesse 2016, dem Ehrengastland 2020 - quélesen
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Literatur aus Kanada auf der Frankfurter Buchmesse 2016, dem Ehrengastland 2020

Vom 19. bis zum 23. Oktober fand in diesem Jahr die Frankfurter Buchmesse statt. Ehrengast waren in diesem Jahr Flandern und die Niederlande, also keine Nation, sondern ein Sprach- und Kulturraum. Und das schon zum zweiten Mal. Im nächsten Jahr ist es Frankreich und in vier Jahren Kanada. Ich habe mich in diesem Jahr wieder auf der Messe umgeschaut. In den Hallen 3, 4, 5 und 6 sind mir einige Publikationen aufgefallen, die mit dem Ehrengastland 2020 zu tun haben. Darunter waren einige Bücher von Alice Munro, die 2013 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Nach Deutschland brachten die Bücher der kanadischen Schriftstellerin, die sich mit ihren Kurzgeschichten einen Namen gemacht hat, die Verlage Dörlemann und S. Fischer Verlag. Ebenfalls im Programm vom S. Fischer Verlag zu finden sind die Romane von Yann Martel. Zuletzt erschienen ist dort sein Roman Die Hohen Berge Portugals. Den Roman Station Eleven von Emily St. John Mandel veröffentlichte in deutscher Übersetzung Piper und der bilgerverlag aus der Schweiz präsentierte an seinem Stand Notre-Dame-de-la-Merci von Quentin Mouron.


© J. Dummer

Beim Gemeinschaftsstand für Indiependantpublikationen entdeckte ich die Zeitschrift Flaneur. Jeder Ausgabe widmen sie einer Straße und so brachten sie ihren Lesern auch schon die Rue Bernard in Montréal näher.


© J. Dummer

Die Verlage aus Kanada hatten auf der Messe Bücher wie L‘enfant mascara von Simon Boulerice (Leméac), Moussaka von Éric Ilhareguy (Les Allusifs), Métis Beach von Claudine Bourbonnais (in englischer Übersetzung bei Dundurn erschienen), Renovation von Renaud Jean (Boréal) und den neuen Roman L’impureté von Larry Tremblay (Alto) dabei. Sein Roman L‘orangeraie wurde in viele Sprachen übersetzt, erschien im letzten Jahr in Deutschland bei C.H.Beck mit dem Titel Der Name meines Bruders.
Am Gemeinschaftsstand von Québec Édition traf ich eine Leserin, die Mayonnaise von Éric Plamondon im letzten Jahr entdeckt und gelesen hatte und die es weiterempfehlen kann.


© J. Dummer

In den Regalen der Gemeinschaftsstände von Québec Édition in Halle 5.1 und Livre Canada Books in Halle 6.0 waren Télésérie von Hugo Léger (XYZ éditeur), 752 lapins von François Blais mit Zeichnungen von Valérie Boivin (Les 400 coups), Trois princesses von Guillaume Corbeil (Le Quartanier), Le sourire de Leticia vom Montréaler Rapper Manu Militari (Stanké) und À l’abri des hommes et des choses von der Singer-Songwriterin aus dem Schwesternduo Les sœurs Boulay Stéphanie Boulay (Québec Amérique, La Shop) zu finden. Besonders gefragt sind in diesem Jahr Autoren, die sich mit der Problematik zwischen den kanadischen Bevölkerungsgruppen auseinandersetzen: Les Éditions écosociété brachte den Briefwechsel zwischen Deni Ellis Béchard und Natasha Kanapé Fontaien Kuei, je te salue. Conversation sur le racisme heraus uUnd House of Anansi veröffentlichte The break von der Dichterin und Autorin Katherena Vermette. In dem Roman kommen mehrere Stimmen zu Wort, die nach einem tragischen Unfall versuchen, damit umzugehen. Mit diesem Roman konnte die Autorin die Aufmerksamkeit von Margaret Atwood auf sich ziehen, die sie auf Twitter huldigte. Und bald wird der Roman in französischer Übersetzung bei Québec Amérique in Québec veröffentlicht. Es sieht auch ganz danach aus, dass The break in europäischen Ländern erscheinen wird: in Deutschland und Bulgarien.

In diesem Jahr war es bei den Veröffentlichungen der Québecer Literatur in deutscher Sprache ruhiger. Im Mai veröffentlichte litradukt den Roman Wer hat Guy und Jacques Colin verraten? von Anthony Phelps in der deutschen Übersetzung von Peter Trier. Ebenfalls im Mai ging Dany Laferrière mit Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama auf Lesereise. Das Buch hatte der Verlag Das Wunderhorn im vergangenen Jahr herausgebracht. So bot die Buchmesse die Gelegenheit mal zu schauen, was die Verlage aus Frankreich an Literatur aus Kanada in ihren Programmen haben.


© J. Dummer

Zum einen ist da der Verlag Denoël, der in diesem Jahr André Alexis‘ erfolgreichen und ausgezeichneten Roman Fifteen dogs in der französischen Übersetzung von Santiago Artozqui unter dem Titel Nom d’un chien veröffentlicht hat. Im letzten Jahr nahmen sie Les héritiers de la mine von Jocelyne Saucier und Le guide des âmes perdues (original: Le mur mitoyen) von Catherine Leroux in ihr Programm auf. Bereits in den vergangenen Jahren verlegten sie Bücher von Rawi Hage, Marie-Renée Lavoie, Gil Courtemanche und Nicolas Dickner.

Mit einem Stand auf der Buchmesse vertreten war auch Seuil. In den letzten Jahren veröffentlichte der Verlag in seinem Programm Bücher von Marie-Claire Blais, Hubert Reeves, Nelly Arcan, Andrée A. Michaud, Ying Chen, Robert Lalonde und Guillaume Vigneault sowie Jacques Godbout und Anne Hébert. In den Regalen von Gallimard entdeckte ich eine Ausgabe von Jacques Kerouac‘s Tagebüchern. Sein Journaux de bord (1947-1954) brachte der Verlag in der französischen Übersetzung im vergangenen Jahr heraus.

Im Verlagsprogramm von Grasset et Fasquelle sind Autoren wie Larry Tremblay, Perrine Leblanc, Yann Martel, Audrée Wilhelmy und Dany Laferrière zu finden. Der Verlag Liana Levi verlegt die kanadischen Autoren Alissa York, Kim Thúy und Ryad Assani-Razaki. Phébus verlegt Bücher von Christian Guay-Poliquin, Marie Hélène Poitras, Éric Plamondon, Timothy Findley, Samuel Archibald und Neil Bissoondath. Und bei Notabilia, einem Imprint von Les Éditions Noir sur Blanc, erschienen N’oublie pas, s’il te plaît, que je t’aime von Gaétan Soucy und Deux jours de vertige von Eveline Mailhot.


© J. Dummer

Bei Robert Laffont wurde in diesem Jahr Suzanne Aubry‘s Roman Ma vie est entre tes mains veröffentlicht. Die Romane von Catherine Mavrikakis, Verlegerin bei Héliotrope in Québec, brachte Sabine Wespieser in Frankreich heraus: Oscar de Profundis, La ballade d’Ali Baba, Les derniers jours de Smokey Nelson und Le ciel de Bay City. Auch Stock und Flammarion haben in diesem Jahr Titel von Autoren aus Québec in ihrem Programm: Ceux qui restent von Marie Laberge erschien bei Stock, L‘année la plus longue von Daniel Grenier bei Flammarion. Der Roman von Daniel Grenier, den der Verlag Le Quartanier 2015 veröffentlichte, wird im nächsten Jahr auch auf Englisch erscheinen und zwar im Frühjahrsprogramm von House of Anansi.

Nach fünf Tagen in den verschiedenen Hallen der Frankfurter Buchmesse kehrte ich mit zahlreichen Eindrücken und einigen Büchern heim. Und einige davon könnt ihr, liebe Leser von quélesen, demnächst gewinnen. Schaut einfach in den nächsten Wochen regelmäßig vorbei und seid die Ersten, wenn die Verlosung online geht.