La petite fille qui aimait Stephen King von Claudine Dumont

„Ich habe Angst.“ Mit diesem Satz beginnt der zweite Roman La petite fille qui aimait Stephen King von Claudine Dumont. Wie schon ihr Debüt Anabiose ist der Stil der Autorin packend und lässt einen nicht mehr los. Die Bedrohlichkeit der Situation, in die sie ihre Protagonistinnen führt, sorgt für eine spannende, nicht langweilig werdende Lektüre. La peite fille qui aimait Stephen King erzählt von der besonderen Beziehung von Julie zu ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Émilie, die autistisch ist. Julie hat sich schon immer um Émilie gekümmert und übernahm die Rolle der Mutter noch mehr, als sich ihre Eltern trennten. Die Sommerferien verbrachten sie nach der Trennung regelmäßig bei der Tante in den USA unweit der kanadischen Grenze, die auf dem Land wohnt.

Als Julie 18 und Émilie 15 sind, verbringen sie erneut den Sommer bei der Tante und laufen durch die landwirtschaftlichen Felder. Während Émilie noch kurz zuvor vor ihrer großen Schwester lief, verschwand sie im nächsten Moment von der Bildoberfläche. Sie fiel in ein tiefes Loch. Panisch rannte Julie zurück zum Haus ihrer Tante, die die Feuerwehr und den Notwagen alarmierte und danach zum Unglücksort fuhr. Dort brach auch Julie zusammen. Sie erwachte im Krankenhaus wieder. Émilie lag im Bett nebenan, im Koma und mit einigen Schürfwunden. Julie versucht herauszubekommen, was geschehen ist, doch man bleibt ihr eine Antwort schuldig. Wieder zu Hause stellt sie einige Veränderungen an ihrer kleinen Schwester fest. Während ihre Krisen abnehmen, beginnt sie Appetit auf Tiere und Menschen zu entwickeln. Sie hört auf zu essen, erbricht das, was sie mühevoll zu sich nahm. Julie versucht dem auf den Grund zu gehen und ihre Schwester zu verstehen. Sie hört auf zu essen, versucht es mit Proteinshakes und begleitet sogar nachts ihre Schwester bei der Suche nach lebenden Würmern, die zum einzigen Nahrungsmittel geworden sind. Doch Julie hält das nicht lange durch und beginnt wieder zu essen. Sie weiß nur, dass das so nicht weitergehen kann und beginnt eine Verzweiflungstat, die letztlich die Lösung bringt.

La peite fille qui aimait Stephen King bietet Kennern von Stephen King sicher die Gelegenheit, Referenzen auf den Meister des Horror und Thriller herauszufinden. Aber auch für Leser, die Kings Romane nicht kennen, bietet Claudine Dumonts Zweitwerk so einiges.

 

 

Claudine Dumont: La petite fille qui aimait Stephen King
Roman
XYZ éditeur, 2015
184 Seiten
21,95 $

 

 

Ein Zitat:
« J’ai peur. La peur qui prend toute la tête, tout le corps. La peur qui empêche de réfléchir, qui brouille la raison. Il y a un mot plus fort que le mot peur pour dire peur ? J’ai peur. Elle me fait peur.
Elle devrait dormir. Elle est assise. Son lit, proche de la fenêtre, me permet de la voir contre le noir de notre chambre. Elle ne me voit pas. Mon lit est dans le coin opposé, dans l’ombre. Elle ne peut me voir, elle ne voit pas que je la regarde. Elle ne me regarde pas. Ses yeux fixent le vide devant elle. Quelque chose qu’elle seule distingue. Elle ne bouge pas. Elle est si immobile que je me demande si elle respire. Elle respire, mais ça ne s’entend pas. Et je crois que c’est ce qui me fout autant la trouille. Le silence, trop de silence. Ma petite sœur a toujours été différente. Mais elle a changé. Depuis l’accident. Elle a changé. Sa différence a changé.
– Julie ?
Un chuchotement. Mon corps se raidit. Elle sait que je ne dors pas. Je ne dors presque plus. Mon cœur se resserre.
– Tu dors ?
– Non.
– J’ai eu envie de mordre Élisabeth ce matin.
Il n’y a plus d’air. Mes poumons sont vides. Je ne trouve plus d’air. Ma voix est un grincement. Qui souffre. Je ne veux pas que nous en soyons là.  » – Claudine Dumont: La petite fille qui aimait Stephen King, XYZ éditeur, 2015, S. 11