Faut pas pleurer pour ça von Minou Petrowski

Der Literaturbetrieb und die Liebe werden in dem Roman Faut pas pleurer pour ça von Minou Petrowski unter die Lupe genommen. Hauptfigur ist die Autorin und Schauspielerin Laura, die eine Promotour anlässlich der Veröffentlichung ihres Buches nach Paris geführt hat. Sie lebte einst in dieser Stadt und hatte dort viel erlebt. Während ihres Aufenthaltes wohnt sie bei einer Bekannten und trifft in der Stadt der Liebe auf einen attraktiven jüngeren Mann, zu dem sie sich hingezogen fühlt. Er ist Regisseur und ihre Wege kreuzen sich in den zehn Tagen, die sie fernab ihrer Heimat verbringt, des Öfteren. Im zweiten Teil des Romans kehrt sie nach Montréal zurück, wo sie schließlich im dritten Teil am Set zu einem Kurzfilm anwesend ist, in dem sie die Hauptrolle ergattert hat. Darin wird eine Liebesszene zwischen einer 80-jährigen Frau mit einem 20-jährigen Mann inszeniert. Zuvor war sie bereits als Statistin in Filmproduktionen zu sehen.

Diese drei Teile bilden den Roman, der eine Autofiktion ist, die fünf Jahre nach Minou Petrowskis Autobiographie Prends-moi dans tes bras erschienen ist. Fiktion und Erinnerungen vermischen sich folglich im aktuellen Werk der Autorin und Journalistin. Die Worte fließen dahin, verbalisieren die Gefühlswelt von Laura und ab und an kommt es zu einer Vermischung verschiedener Zeitebenen.

Laura ist eine ältere Dame, die so ihre Probleme mit dem Älterwerden hat bzw. vielmehr mit den Beschwerden, die es mit sich bringt. Schon immer fühlte sie sich zu jüngeren Männern hingezogen. In Paris ist es Lukas, ein Filmemacher, auf den sie während einer Veranstaltung aufmerksam wurde und dem sie näherzukommen versucht. Während der Zeit in Paris, und später in Montréal, blickt Laura auf ihr Leben und ihre Beziehungen zurück. Darüber hinaus sind es der begehrende Blick des anderen Geschlechts, die eigene Vergangenheit und die eigene Identität, die von ihr näher betrachtet werden, wobei sie immer einen Blick auf das Voranschreiten der Zeit hat.

 

 

Minou Petrowski: Faut pas pleurer pour ça
Roman
XYZ éditeur, 2014
174 Seiten
18,95 $

 

 

Ein Zitat:
« J’ai toujours eu beaucoup de difficulté à apprivoiser les lieux privés ; autant une chambre d’hôtel devient mienne immédiatement, autant l’appartement partagé ou prêté me met mal à l’aise. Peur de ne pas savoir l’entretenir et, surtout, de laisser des traces de mon passage. Je ne m’installais pas, je flottait dans le salon aux carreaux rouges et passais la plupart du temps assise sur le canapé face à un tableau : une femme, le visage baissé, tenait entre ses mains un collier. Une autre aurait interprété cette peinture comme la vision d’une offrande ; dans mon esprit tourmenté, il s’agissait plutôt d’une rupture, de la fin d’un amour, elle se séparait de cet objet qu’elle avait tant chéri. C’était mon état d’esprit en ce dix décembre, cette journée qui devait me redonner l’apparence de la réussite. Je ne me faisais pas d’illusion, ce serait juste dix minutes de gloire à retardement. À ce moment précis, je pensai à Lukas, la seule personne qui aurait pu transformer cette mascarade en joie pur, juste par sa présence. C’était bien dans l’idée de changer le cours des choses que j’avais insisté pour obtenir une bourse de déplacement, pour pouvoir être quelqu’un d’autre ailleurs, puisque je me sentais déjà comme celle qui a publié l’année dernière, trop tard. » – Minou Petrowski: Faut pas pleurer pour ça, XYZ éditeur, 2014, S. 43