Partir de rien von Maude Nepveu-Villeneuve

Der Debütroman von Maude Nepveu-Villeneuve ist ein Roman, in dem die Informationen auf eine Verortung in der Wirklichkeit des Lesers zurückgehalten werden. Er erzählt die Geschichte von zwei Mädchen, deren Freundschaft durch die Reaktion beider auf neue Umstände ins Wanken gerät. Mit einem Charakter ausgestattet und einer bestimmten Perspektive auf das Leben und die Welt, sind Chloé, die Erzählerin, und Almée, ihre beste Freundin, was den Rest angeht unbestimmt. Wo leben sie? Wo kommen sie her? Antworten hierauf bleibt die Autorin dem Leser schuldig. Dafür bietet sie eine Geschichte zweier Mädchen an der Schwelle des Erwachsenwerdens, die auf sich selbst gestellt sind.

In ihrer Freundschaft, in der sie sich geschworen haben, dass sie niemanden weiter außer sich selbst brauchen, ist Chloé die Tonangebende. Doch als sie eines Tages in einer Hafenstadt mit ihrem einzigen Weggefährten dem Kaninchen Oreste ankommen und beschließen, dort zu bleiben, beginnt Almée sich aus dem Schatten von Chloé herauszulösen. Sie lernen Laurent kennen, der ebenfalls eines Tages seine Heimat verlassen hat und nun in der Hafenstadt arbeitet. Als sich die Gelegenheit bietet, ziehen sie zu ihm in die WG und lernen seine Freunde kennen, darunter die Kabarettbesitzerin Vénise. Sie erkennt in Almée das Potential einer Sängerin und bietet ihr an, bei ihr aufzutreten. Die zuerst noch verunsicherte Almée gewinnt dadurch zunehmend an Selbstbewusstsein und ist sogar bereit Chloé für eine Tournee allein zu lassen. Chloé ist durch die Abwesenheit ihrer Freundin verletzt und beginnt Intrigen zu spinnen, die ihr Almée zurück bringen sollen. Dafür ist sie sogar bereit, Grenzen zu überschreiten, die Almée letztendlich zu einem Bruch mit ihr verleiten könnten.

Partir de rien schildert aus der Sicht von Chloé Veränderungen, denen wir in unserem Leben unfreiwillig ausgesetzt sind. Sie zeigen, wer wir sind und zu wem wir werden. Freundschaften können dabei intensiver werden oder auseinander-brechen. Was als Roman der Zweisamkeit beginnt, stellt die Beziehung der beiden auf die Probe. Dabei stellt die Autorin den Kapiteln eine zusammenfassende Überschrift voran und schreibt die Geschichte mit einer Prise Humor und einer Portion Dramatik.

 

 

Maude Nepveu-Villeneuve: Partir de rien
Roman
Les Éditions de Ta Mère, 2011
229 Seiten
15 $

 

 

Ein Zitat:
« Je me suis réveillée au milieu de la nuit, parce qu’Almée ronflait en tirant toutes les couvertures. J’ai tiré sur mon bout : je ne me laisse pas marcher sur les pieds, même par Almée. Almée avait beau être ma presque sœur, née onze minutes après moi, dans le même hôpital que moi, celui de la ville la plus proche de notre village, ça n’empêchait pas qu’il y avait des limites. Une fois abriée, j’ai essayé de me rendormir, mais il y avait autre chose qui me turlupinait, qui m’empêchait de ronfler plus fort qu’Almée. Je me rendais compte que, maintenant qu’on était rentrées et qu’il n’y avait plus personne pour prendre soin de nous, il allait falloir passer aux choses sérieuses. S’organiser. Au champ, c’était simple ; les marmottes, les étoiles, notre seul arbre. On mangeait les fruits dans les buissons et, quand on en avait assez, on arrêtait et on s’assoyait par terre, on se cachait dans les herbes, on se racontait des histoires. Mais on ne peut pas vivre toute sa vie dans un champ ; la preuve, c’était qu’on l’avait quitté après même pas deux semaines pour revenir dans notre village vide. Mais on ne pouvait pas non plus rester ici, au village : ou bien on allait mourir de faim, ou bien un avion allait nous atterrir sur la tête. Ça me rendait triste de le dire, mais on ne pourrait pas vivre ici en parfaite autarcie. » – Maude Nepveu-Villeneuve: Partir de rien, Les Éditions de Ta Mère, 2011, S. 14