Le vertige des insectes von Maude Veilleux

Le vertige des insectes erzählt die Geschichte einer jungen Frau namens Mathilde, die durch ein traumatisches Ereignis in ihrer Kindheit komplett aus dem Leben geworfen wurde. Nach dem Verlust ihres Bruders lebte sie bei der Oma, denn das Verhältnis zu ihren Eltern hatte sich daraufhin verändert. Als Erwachsene wohnt sie in einer WG mit ihrer Lebensgefährtin Jeanne und dem Mitbewohner Thomas, aber irgendetwas läuft nicht richtig. Und dann stirbt ihre Oma.

Nach der Beerdigung der Oma, auf der sie eine Rede hält, und dem Leerräumen von deren Wohnung gerät sie in einen Gemütszustand, der sie nach unten zieht. Sie ist in einer Spirale gefangen, deren Effekt verstärkt wird, als Jeanne sie für mehrere Monate allein in Montréal zurücklässt, um in einem Museum im nordwestkanadischen Territorium Yukon zu arbeiten. So scheint ihr Leben immer wieder auseinanderzubrechen mit der Folge, dass sie allein bleibt. Da helfen auch kaum die Atemübungen, die ihr eine Therapeutin beigebracht hat, um Panikattacken zu kompensieren. Doch nicht nur der Tod ist ein ständiger Begleiter in Mathildes Leben, sondern auch Insekten, die sie überall entdeckt. Sie sind Teil ihres feuchten, schmutzigen Appartements. Ob nun Spinnen, Käfer oder andere Insekten, sie sind da und Teil ihres Alltags, in dem sie nichts Besonderes anzustreben scheint bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie beschließt, ein Kind zu bekommen. In diesen Gedanken legt sie ihre ganze Hoffnung, ihrem Leben endlich einen Sinn zu geben. Doch die Spirale des Todes mit ihrer Trauer und Antriebslosigkeit, in der sie seit ihrer Kindheit gefangen ist, holt sie wieder ein.

Maude Veilleux, die mit Le vertige des insectes ihren ersten Roman vorgelegt hat, schreibt auch Gedichte. Ihren Roman, in dem eine teilweise düstere Atmosphäre herrscht, unterteilte sie in drei Teile, denen sie die Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst zuweist. Der Winter wird ausgespart. Sie richtet in dem Roman ihren Blick auf eine Frau, die resolut in ihren Entscheidungen ist und die zu früh mit dem Tod konfrontiert wurde, der sie nicht in Ruhe zu lassen scheint. Dabei ist ihr Stil sehr bildhaft und beschreibend, so dass man ihrem geschriebenen Wort immer weiter folgt, auch durch die extremeren Passagen.

 

 

Maude Veilleux: Le vertige des insectes
Roman
Hamac, 2014
186 Seiten
18,95 $

 

 

Le vertige des insectes ist unter den zwölf Titeln der Vorauswahl für den Prix des libraires du Québec 2015.

Ein Zitat:
« Sur une des tuiles de céramique qui bordaient le bain, elle aperçut une araignée. Mathilde la regarda se déplacer de carreaux blancs en carreaux noirs. Ses longues pattes s’accrochaient à la paroi glissante. Sa grand-mère disait qu’il fallait les laisser tranquilles. Elles mangeaient les autres insectes. Les coccinelles aussi étaient de cette catégorie à ne pas tuer. Mathilde prenait les conseils de sa grand-mère au pied de la lettre. Un être, une dizaine de coccinelles flânaient autour de la fenêtre de sa chambre d’enfant. Mathilde ne les touchait pas, attendait la chance. À l’automne les coquilles empoussiérées furent balayées dans la poubelle par sa mère.
Une gouttelette d’eau engloutirait facilement l’araignée et suffiraiet à lui faire perdre contact avec la surface du mur. L’araignée glisserait dans le fond de la cuve où de plus en plus d’eau s’accumulait. Le drain obstrué. Mathilde s’accroupit. Son dos angulaire recevait les gouttes. Ses pieds étaient entièrement recouvertes, ses chevilles à demi. » – Maude Veilleux: Le vertige des insectes, Hamac, 2014, S. 110