Griffintown von Marie Hélène Poitras

Griffintown erzählt die Geschichte von Cowboys, Kutschern und Pferden, die Touristen auf eine besondere Art durch die Straßen von Montréal führen. Kurz vor Beginn der neuen Saison beziehen sie und Neuanwärter Revier in einem Stadtteil namens Griffintown, wo Ställe, ein Fluss und ein Saloon das Bild prägen. Es ist ein Teil der Stadt, der sich von den Hochhäusern und hergerichteten Wohnhäusern anderer Viertel unterscheidet und an dem letztendlich die unterschiedlichsten Menschen aufeinander treffen. Denn Griffintown ist ein Ort für all jene, die in der Welt der Pferde einen Neuanfang oder ein Leben ohne großes Gerede um ihre Vergangenheit oder Herkunft suchen.

Die neue Saison steht kurz bevor. Es gibt neue Pferde, neue Anwärter für die Rundfahrten und zahlreiche alte Bekannte. Doch dann verschwindet Paul Despatie, der Chef des Unternehmens, zunächst spurlos, bis man einen seiner Schuhe findet. In alter Cowboy-Manier wird daraufhin mit einem Steckbrief und einer darauf ausgeschriebenen Belohnung nach ihm gesucht. Das Leben der Kutscher geht derweil seinen gewohnten Gang.Cowboy John ist für eine letzte Saison angereist. Er beobachtet die Neuanwärterin Marie und nimmt sie trotz ihrer Gewohnheit, zu viele Fragen zu stellen, unter seine Fittiche. Er weiht sie in die Besonderheiten und Legenden, die mit diesem Ort verbunden sind, ein und klärt sie über die herrschenden Gesetze unter den Beteiligten dieses Geschäfts auf. Während John und Marie sich mit der Zeit näher kommen, geht die Suche nach der Ursache für das Verschwinden von Paul Despatie weiter. Dabei gilt: „Was in Griffintown geschieht, bleibt in Griffintown“. Doch woraufhin deutet das Verschwinden von Paul? Und was bedeutet es für den Fortbestand der Pferde und Kutscher an diesem Ort in der Stadt?

Marie Hélène Poitras entwirft in Griffintown eine Welt, die in den „Weiten Westen“ entführt ohne die Stadt Montréal zu verlassen. Die Kutscher, die in der Stadt das Geschäft mit den Touristen machen, erscheinen wie Figuren aus einer anderen Zeit, die in der städtischen Gesellschaft keinen Platz finden. Sie beschreibt eine Mikrogesellschaft von Cowboys, Kutschern und Pferden, die „Denen aus der Stadt“ ein Dorn im Auge sind. Wobei mit “Denen aus der Stadt” schwarz gekleidete Geschäftsleute gemeint sind, die andere Pläne für diesen Ort von Montréal haben. Und um ihre Pläne umzusetzen, so scheint es, ist ihnen jedes Mittel recht.

 

 

Marie Hélène Poitras: Griffintown
Roman
Alto, 2012
210 Seiten
22,95 $

 

 

Soeben ist der Roman beim französischen Verlag Phébus erschienen. Für Juni ist die Veröffentlichung von Griffintown in der Übersetzung von Sheila Fishmann beim anglokanadischen Verlag Cormorant Books angekündigt.
Für ihren urbanen Westernroman erhielt Marie Hélène Poitras 2013 den Prix France-Québec, den sie auf dem diesjährigen Salon du livre in Paris überreicht bekommt. Griffintown war 2012 in der Auswahl für den „Besten Roman“ der Tageszeitung La Presse ausgewählt und zählte zu den Finalisten des Prix des lecteurs émergents de l’Abitibi-Témiscamingue 2013.

Ein Zitat:
« L’attention de Marie est toute concentrée sur le chemin de prendre, les dates à retenir et la description des styles architexturaux. L’édifice Aldred, celui qui a le forme d’un gâteau de mariage, c’est de l’Art déco. La Banque Nationale et son impressionnante voûte extérieure protégée par un echevêtrement de fils électrique sont bien visibles de la rue Saint-Jacques. Paul Chomedey, le gars avec un pigeon sur chaque épaule en plein cœur de la place d’Armes : fondateur de la ville en 1642. Le St-James avec sa suite à cinq mille dollars la nuit où a séjourné Mick Jagger… Tout va bien, Poney s’avère le compagnon idéal. » Marie Hélène Poitras: Griffintown, Alto, S. 124