Mort-Terrain von Biz

Für ein Praktikum geht der junge Arzt Julien Daigneault nach Mort-Terrain, eine Stadt im Norden Québecs, in der weiße Anwohner und Indianer nebeneinander wohnen. Die Indianer waren die ursprünglichen Besitzer des Landes. Doch das Land wurde ihnen genommen und der Landbesitz ist nun unklar. Es gab in Mort-Terrain eine Mine, für die das Reservat umgesetzt wurde. Nun herrscht große Arbeitslosigkeit in der Stadt, in der alles enorm teuer ist. Dennoch stehen die beiden Supermärkte im Ort in keiner Konkurrenz zueinandner, denn man unterstützt sich gegenseitig. Der junge Arzt, der vegetarisch lebt, hat es schwer, sich ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren und die Gepflogenheiten zu verstehen. Denn obwhol man sich in Mort-Terrain gegenseitig unterstützt, ist man den Indianern gegenüber misstrauisch.

Als Julien das erste Mal nach Mort-Terrain fährt, hat er kurz vor dem Ortseingang einen Unfall mit einem Reh. Der Mechaniker und andere Dorfbewohner kommen ihm schnell zu Hilfe. Sie schleppen sein Auto in die Werkstatt und leihen ihm für die Zeit der Reparatur einen fahrbaren Untersatz. Später sitzen alle gemeinsam vor einem Bier in der Bar. Hatte er sich seine Ankunft so vorgestellt?

Julien ist im Gesundheitszentrum der Stadt gleichermaßen Arzt für die Bevölkerung von Mort-Terrain und die Anwohner des Reservats. Nach einer kurzen Einweisung durch den Arzt Comeau, der sich daraufhin von der Stadt verabschiedet, beginnt er sich mit den Krankenakten vertraut zu machen, behandelt seine ersten Patienten und lebt sich ein, ohne dabei eine Seite zu wählen. Ein Arzt für alle, diese Meinung vertritt er zu Beginn. Doch zur selben Zeit wie er beginnt die Firma Wendigo sich für Mort-Terrain zu interessieren. Ihren Untersuchungen des Bodens zufolge gibt es dort Goldvorkommen, das sie in einer Mine in den nächsten Jahren abzubauen planen. John Smith ist der Vertreter der Firma Wendigo, der sich auf den Weg nach Mort-Terrain macht, um den Anwohnern Arbeitsplätze und den Aufschwung für die Stadt zu versprechen. Während die Befürworter sogleich ihre Bereitschaft zeigen, gibt es auch Gegner. Die mediale Präsenz ist groß und alle Seiten fahren ihre Geschütze auf. Und Julien, dem wird langsam klar, wo es für ihn hingeht.

Biz zeigt in Mort-Terrain die Schwierigkeiten des Zusammenlebens an einem Ort auf, an dem unterschiedliche Kulturkreise nebeneinander leben und auch die Interessen weit auseinander gehen. Und dann tritt auch noch ein Dritter auf den Plan, dessen Interessen rein wirtschaftlich motiviert sind, der aber über das nötige Geld verfügt, um die Mehrheit zu überzeugen. Mit seinem Protagonisten Julien taucht der Autor in beide Welten ein, die zum einen in die Vergangenheit Kanadas führt und zum anderen den trostlosen, problembeladenen Alltag von einfachen Arbeitern zeigt.

 

 

Biz: Mort-Terrain
Roman
Leméac, 2014
240 Seiten
25,95 $

 

 

Als Preisträger des Prix France-Québec ist Biz im März 2016 in Europa auf Lesereise. Am 6. März 2016 ist er für eine Lesung zu Gast im Institut français in Bremen.

Ein Zitat:
« Après dix heures de route, j’arrivais enfin à destination, alors que le soleil d’août distillait ses dernières lueurs dans le rétroviseur. C’est à ce moment-là que j’ai frappé le chevreuil. J’étais fatigué et j’avais dû fixer la pancarte un peu trop longtemps. Bienvenu à Mort-Terrain – Misons notre avenir. Mort-Terrain. Totalement glauque comme nom de village. J’ai appris plus tard que c’est comme ça qu’on appelle la terre stérile extraite d’une mine. Mais surtout, la devise clochait : Misons notre avenir. C’était évidemment une faute. On mise sur notre avenir et non pas notre avenir. À moins de jouer au poker. À bien y penser, c’est pas mal ce que je faisais en déménageant ici. Tout mon avenir all in.
Quand je suis revenu à la route, je n’ai vu que les yeux de la bête figés dans les lumières de mon char. Deux globes métalliques de mort-vivant. J’ai frené à en défoncer le plancher. Les roues ont bloqué et le capot a plongé. Je savais que je n’arrêterais pas à temps. Bang ! Une montgolfière m’a explosé au visage. La voirure a basculé sur le côté droit et s’est immobilisée dans le fossé, au milieu d’une talle de magnifiques petites fleurs mauves en épis. Les coussins gonflables me comprimaient le visage et la ceinture me sciait la hanche. Je suis sorti péniblement en poussant la portière vers le haut. Rien de cassé, mais totalement sonné. Sur mon pare-brise étoilé s’étalait le cadavre du chevreuil. Ses longues pattes étaient pliées dans des angles bizarres d’araignée. J’étais paralysé par la violence de la mort. » – Biz: Mort-Terrain, Leméac, 2014, S. 12