Le nid de pierres von Tristan Malavoy

Die Abenaki zogen in der Nähe von Saint-Denis-de-Brompton jeden Winter gen Süden und kehrten danach wieder in den Norden zurück. Sie jagten, lebten in der Natur und hatten ihre eigene Kultur. Die Geburt und der Tod sind darin die Markierungspunkte des Lebens. Über den Tod gibt es Legenden und die Verstorbenen begleiten die Abenaki in ihrem Leben weiter. Kurze Episoden und Momentaufnahmen vom Stammesleben sind in dem Roman Le nid de pierres von Tristan Malavoy eingestreut, etwa über einen Jungen, der geboren wird und der daraufhin seine Wahrnehmung des Lebens teilt, wie er im Arm seiner Mutter lag, wie sein Vater bei der Jagd verstarb, wie er einer Geschichte lauschte, die erzählt wurde.

Den Gegensatz dazu bildet der Kernteil des Romans. Thomas Fontaine verbrachte seine Kindheit in Saint-Denis-de-Brompton. 1985 war er mit seinem Freund Steve auf dem Motorrad unterwegs. Sie fuhren ein Crossrennen, so wie sie es des Öfteren taten. Dann geriet Thomas in ein seltsames Loch, das seine Maschine verschlingen zu wollen schien. Gemeinsam gelang es ihnen, sie wieder herauszuziehen. Im selben Jahr verschwand ein Mitschüler spurlos. Er wurde von der Polizei und den Anwohnern gesucht, doch er wurde nie gefunden. Die Kindheit von Thomas ist schon lange vorbei. Er war in die Großstadt gezogen und arbeitete als Autor von Skripten für Serien. 2005 traf er seine Jugendlieben Laure wieder. Beide machten kurzen Prozess, trennten sich von ihren aktuellen Partnern und kamen zusammen. Sie wollten keine Zeit mehr verlieren und Laure überriet Thomas, in ihren Heimatort zurückzuziehen, um dort an der Familiengründung zu arbeiten. Laure musste ihn überzeugen, denn er verband mit Saint-Denis-de-Brompton schmerzliche Erinnerungen, für die er vielleicht jetzt stark genug war, ihnen entgegenzutreten.

Le nid de pierres ist sehr erzählerisch, schwankt zwischen den Jahren 1985 und 2005, 2006 sowie einer unbestimmten Vergangenheit, in der die Abenaki regelmäßig durch das Gebiet der Stadt zogen. Vereinendes Moment ist das Thema des Verlustes und die verschiedenen Möglichkeiten, damit umzugehen. Ein gelungener Debütroman von Tristan Malavoy.

 

 

Tristan Malavoy: Le nid de pierres
Roman
Boréal, 2015
256 Seiten
22,95 $

 

 

Ein Zitat:
« Rapidement le projet prend forme : retourner vivre là-bas. Laure travaille à la Grande Bibliothèque, elle pourrait chercher un emploi dans une librairie ou une bibliothèque de Sherbrooke ou de Magog. Moi, je me suis fait un petit nid à Montréal, mais après tout, un auteur de téléromans peut vivre n’importe où. Et puis je peste sans arrêt contre le bruit constant de la métropole et cet air souvent lourd qui me cause des crises d’asthme… Je travaillerais sans toute mieux loin de la ville.
Évidemment, j’aurais à passer par-dessus d’autres souvenirs, douloureux ceux-là. Mais je m’en sens la force aujourd’hui, vivre là m’aidera peut-être même à calmer les aiguilles encore vives du deuil. » – Tristan Malavoy: Le nid de pierres, Boréal, 2015, S. 34