Tarmac von Nicolas Dickner

Die Familie Randall muss mit einer außergewöhnlichen Situation zurechtkommen, denn jedes Mitglied dieser Familie erfährt im Laufe seines Lebens das Datum für den Weltuntergang. Mary Hope Juliet Randall landet eines Tages mit ihrer verwirrten Mutter in Rivière-du-Loup. Die wenigen Sachen, die sie bei dem plötzlichen Aufbruch ihrer Mutter Ann mitnehmen konnte, bestanden u.a. aus dem achten Band eines Russischlehrbuchs. Ann flüchtete vor ihrer alten Heimat und als das alte und voll beladene Auto den Geist aufgegeben hat, waren sie in Rivière-du-Loup. Als Hope Randall auf den Rängen des leeren Baseballstadions der Stadt in ihrem Russischlehrbuch las, wurde Mickey auf sie aufmerksam und sprach sie an. Schnell wurden sie Freunde und sein Familienhaus eine Art Zufluchtsort für Hope, die sich um ihre Mutter zwar kümmert, aber sonst kaum eine Beziehung zu ihr hat.

Hope hatte noch nicht den Moment erlebt, in dem ihr das Datum für den Weltuntergang offenbart wurde. Ihr Leben ist so noch unbeschwert, andererseits beschäftigt es sie sehr. Ihren Alltag verbringt sie in der Schule, hängt mit Mickey ab oder arbeitet in diversen Jobs. So spart sie sich eine Menge Geld zusammen, das sie bald brauchen würde. Als sich ihr das Datum für die Apokalypse offenbart, ändert sich ihr Leben drastisch. Sie bricht auf, um dem Datum auf den Grund zu gehen, das auf zahlreichen Verpackungen für asiatische Nudelsuppen und in einer Anzeige in einem Comicheft zu finden war. Sie lässt Rivière-du-Loup hinter sich, durchquert die USA und steigt schließlich in ein Flugzeug, das sie nach Japan bringt. In gewisser Weise trat sie so aus dem Leben von Mickey, aber nicht ohne sich nie wieder bei ihm zu melden. Von Zeit zu Zeit kontaktiert sie ihn per Telefon und berichtet von ihren Fortschritten, Misserfolgen und Erfolgen bei ihrer Suche nach dem Verfasser des Datums für den Weltuntergang. Dennoch trat ein, wovor er sich gefürchtet hatte, nachdem er dieses besondere, außergewöhnliche Mädchen kennengelernt hatte und die Zeit genoss, die sie gemeinsam verbringen konnten.

In 97 unterschiedlich kurzen Kapitel gestaltete der Autor Nicolas Dickner seinen zweiten Roman. Er spielt in den 1990er Jahren, eine Zeit, in der die Welt im Umbruch stand. Die Berliner Mauer fiel, der Kalte Krieg endete und Teile der Mauer wurden von Berlin in ferne Länder verschickt. So beobachtet Hope Randall in einem sich unglaublich schnell wandelnden Tokio am Hafen, wie ein Stück der Berliner Mauer entladen wird, um im Museum für Moderne Kunst zu landen.

 

 

Nicolas Dickner: Tarmac
Roman
Alto, 2011
272 Seiten
15,95 $

 

 

Tarmac wurde 2009 bei Alto erstmalig veröffentlicht, 2011 erschien dann die Taschenbuchausgabe bei demselben Verlag. Der Roman wurde bereits in viele Sprachen übersetzt und wurde u.a. in den Niederlanden, in England, in Italien und 2011 auch in Deutschland bei der Frankfurter Verlagsanstalt herausgegeben. 2013 erschien der Roman in der Übersetzung von Andreas Jandl auch in der Taschenbuchausgabe bei btb.

Ein Zitat:
« Nous avons effectué un raid ravitaillement dans la cuisine, où je connaissais l’emplacement d’une réserve de ramens Captain Mofuku au poulet. De l’authentique bouffe de bunker, impérissable et incorruptible. L’emballage, en revanche, écorchait les yeux : un cosmonaute rose et jaune flottait autour d’une planète de nouilles, un sourire idiot dans la visière. De la bouffe de bunker, certes, mais coincé à 40 mètres sous terre avec des étagères pleines de ces exaspérants cosmonautes, on risquait de sombrer dans la folie bien avant de succomber à la malnutrition.
Nous avons déballé nos ramens, mis la bouilloire à chauffer. Tout en tripotant son emballage vide, Hope continuait de réfléchir.
– Et le mois de mars ?
J’hésitait. Ça ne collait pas. Mars était l’Ayers Rock du calendrier : un mois énorme, rouge et lisse, échoué au milieu de nulle part. Hope hocha la tête.
– Tu as raison.
– Écoute, pourquoi tu ne te fies pas tout simplement aux dés ?
Hope ne répondit pas. L’air absent, elle jouait avec son emballage de ramen, le pliant et le repliant avec ses pouces – de loin, on aurait pu croire qu’elle manipulait un boulier chinois. Elle se figea soudain. Elle lissa l’emballage avec le tranchant de la main et me le planta sous le nez, son index indiquant la date de péremption : Meilleur Avant – Best Before 2001 17 JUL.
J’ai souri. Amusante coïncidence, sans plus. Hope écarta les bras, survoltée.
– Amusante coïncidence ?! Sais-tu quelles sont les probabilités que ce genre d’amusante coïncidence se produise ?!
Non, je ne savais pas. Hope non plus, d’ailleurs, mais elle jura de me calculer ça lorsqu’elle aurait deux minutes.
Elle s’empara de la bouilloire, versa une rasade d’eau bouillante dans son bol et regarda le champignon de vapeur s’élever vers le plafond. Elle n’ajouta plus un mot au sujet de l’apocalypse – mais elle plia en quatre l’emballage de ramen et le glissa dans sa ceinture avec soin. » – Nicolas Dickner: Tarmac, Alto, 2011, S. 70-71