La ballade d’Ali Baba von Catherine Mavrikakis

Zwischen 1939 in Alger und 2013 in Key West siedelt Catherine Mavrikakis ihren achten Roman La ballade d’Ali Baba an. Das Leben und die Hürden im Leben der Vater- und der Tochtergeneration sind im Zentrum der Geschichte, dessen Titel bereits auf das Legendenhafte verweist, mit dem sich die Hauptfigur Érina konfrontiert sieht.

In ausgewählten Episoden zeigt sich das Familienleben der Papadouplos, wie die abenteuerlichen Ferien in Florenz 1966 oder der Roadtrip von Montréal durch die USA bis Key West von Vassili mit seinen drei Töchtern nach der Trennung von seiner Frau zum Ende des Jahres 1968. Irgendwann hatte sich der Vater dann aus dem Leben seiner Töchter zurückgezogen. Er war nach New York gegangen und für viele Jahre herrschte kein Kontakt zwischen ihm und seinen Töchtern in Montréal, bis er eines Tages zurück gekommen war. Doch er war ihnen fremd geworden.

Wer Vassili war, welche Kindheit er als ältester Sohn von fünf Kindern hatte und wie er zum Weltenbürger wurde, erfährt man in einzelnen Kapiteln. Er wurde in Rhodos geboren, ging mit sechs Jahren mit seiner Familie nach Alger und lebte dort in einfachen Verhältnissen. Er begann früh, für seine Familie zu sorgen und verlor früh seine Mutter, nach der er seine älteste Tochter benannt hat. Trotz seines einfachen Lebens ist er gebildet, erzählt seinen Kindern Geschichten und hört klassische Musik. Die verschiedenen Zeitpunkte aus dem Leben des Vaters sind teilweise auch Fragmente der Erinnerung der Erzählerin an die gemeinsame Zeit mit ihrem Vater und die Enttäuschung, die sie empfand, als er aus ihrem Leben verschwunden war und sie im Stich gelassen hat.

Als er vor neun Monaten im Sterben lag, kam sie zu spät und konnte keinen Frieden mit ihm schließen. Er war so komplett aus ihrem Leben verschwunden. Oder etwa doch nicht? Eines Tages stößt sie im Schneetreiben des montréaler Winters auf einen älteren Mann, der ihr bekannt vorkommt. Es ist ein absurdes Aufeinandertreffen mit ihrem verstorbenen Vater, infolge dessen sie die Chance bekommt, reinen Tisch zu machen. Er hatte seine Tochter, die nach dem Verschwinden ihres Vaters Spezialistin für Shakespeares Hamlet und Autorin geworden war, aufgesucht, um sie um einen Gefallen zu bitten. Dieser Gefallen führt sie wieder zu diesem einen Ausflug nach Key West, als sie noch ein Kind war und das Leben unbeschwert vor ihr lag.

 

 

Catherine Mavrikakis: La ballade d’Ali Baba
Roman
Héliotrope, 2014
216 Seiten
21,95 $

 

 

La ballade d’Ali Baba ist im August 2014 beim französischen Verlag Sabine Wespieser erschienen. Der achte Roman von Catherine Mavrikakis zählt zu den Finalisten für den Prix littéraire des collégiens 2015, dessen Gewinner im April 2015 bekannt gegeben wird

Ein Zitat:
« En cette fin d’après-midi glaciale de février, les vents méchants le faisaient voltiger sur le trottoir et le forçaient à exécuter une étrange danse macabre. Il prenait des poses erratiques, improbables, pour ne pas s’envoler sous la force des bourrasques de neige. Avec ses petites bottes fines à la semelle en cuir, il patinait follement, tâchant de ne pas tomber sur le trottoir où la glace bleue formait des protubérances funestes. L’aspect fragile de ce corps enfoui dans l’épaisseur de l’air enneigé, cotonneux, m’était familier.
Depuis la disparition de mon père, neuf mois plus tôt, il m’avait semblé retrouver sa présence dans maintes formes humaines opiniâtres et usées qui se promenaient avec peine, comme au ralenti, sur l’asphalte de la cité, si peu acceuillante pour les vieillards. Par intermittence, j’avais eu l’impression d’attraper dans des regards rapides des éclats fragmentés de mon père, des parties de son corps. Tantôt il s’agissait de capter son profil dans le visage d’un homme aux cheveux gris, tantôt il me semblait que les mains paternelles tenaient la canne que je venais de dépasser en courant. » – Catherine Mavrikakis: La ballade d’Ali Baba, Héliotrope, 2014, S.37-38