Le mur mitoyen von Catherine Leroux

Catherine Leroux wendet sich in ihrem Roman Le mur mitoyen verschiedenen Beziehungen zwischen sich einander nahestehenden Menschen zu. Sie erörtert die Veränderung oder den Bestand einer Beziehung zwischen Geschwistern in schwierigen, gar außergewöhnlichen Situationen, die durch einen Umbruch oder ein einschneidendes Ereignis gekennzeichnet sind. Es geht z.B. um den Beschützerinstinkt einer großen Schwester ihrer kleinen Schwester gegenüber; es geht um einen Sohn, der nach dem Tod des Vaters beschlossen hat, durch Amerika zu reisen und erst wieder nach Hause kehrt, als er eine neue Niere braucht und um seine Mutter, deren Blut eine andere Wahrheit in sich birgt; es geht um den politischen Aufstieg eines Ehemanns, dessen Frau herausfinden möchte, wer jeweils ihre leiblichen Eltern sind und es geht um ein Geschwisterpaar, das seinen Vater nicht kennt und dessen Mutter auf dem Sterbebett liegt.

Le mur mitoyen erweckt bei seiner Lektüre den Eindruck von Kurzgeschichten, in deren Zentrum neben den zwischenmenschlichen Beziehungen das Thema der Herkunft steht. Denn ohne ein vollständiges Wissen über ihre Herkunft, begibt sich so manch einer auf die Suche nach der Wahrheit, die unter Umständen mit unerwarteten Konsequenzen verbunden ist. In insgesamt 13 Kapiteln des Romans alternieren die Geschichten von Madeleine und Madeleine, von Carmen und Simon sowie von Ariel und Marie miteinander, wobei beinah in Form von Einschüben die kurze Sequenz von Angie und Monette zwischen den Anderen steht. Durch diesen eigenwilligen Aufbau vergehen im Leben des Liebespaares, von Mutter und Sohn sowie von Carmen und ihrem Bruder mehrere Tage und Wochen, während es bei Angie und Monette nur wenige Stunden sind.

Inspiration für ihren Roman fand die Autorin in wahren Begebenheiten. Ausgehend davon besticht Le mur mitoyen mit einer Sprache, die genau beobachtend die Gefühle der Figuren schildert und dabei sehr bildreich die jeweiligen Umgebungen der Figuren veranschaulicht.

 

 

Catherine Leroux: Le mur mitoyen
Roman
Alto, 2013
344 Seiten
25,95 $

 

 

Le mur mitoyen von Catherine Leroux zählt zu den Finalisten des Prix Littéraire France-Québec 2014, dessen Gewinner Ende Oktober 2014 bekannt gegeben wird. Beim Prix des libraires du Québec 2014 hat sie es mit ihrem Roman in die Schlussauswahl geschafft und gelangte 2013 bis ins Finale des Grand Prix du livre de Montréal.

Ein Zitat:
« Plus que trois heures pour dormir. Cette idée vient remuer les bêtes qui courent dans les parties les plus insoumises de son corps, ses mains frileuses, ses cheveux qui fouillent les orifices de son visage, ses pieds parcourus de spasmes minuscules. Le cliquetis de sa montre, sur la commode, ponctue les tics qui animent ses extrémités. Elle serre les dents.
Quand on cherche le sommeil, le moindre froissement, la plus petite oscillation de l’air ambiant devient insupportable. Marie en est à sa quatrième heure d’éveil et à sa troisième nuit consécutive de lutte avec l’insomnie. Mais elle s’oblige à ne pas bouger. Elle sait que du plus profond d’un rêve, Ariel arrive à distinguer les mouvements souples du sommeil de ceux de l’éveil, fermes et saillants ; en quelques secondes, il serait assis dans le lit à lui demander ce qui ne va pas.
Et il y aurait tant à répondre à cette question. Depuis que la position d’Ariel à la tête du parti a été confirmée, Marie s’est mise à se faire un sang d’encre. C’est inattendu. Elle aurait cru qu’elle ne ressentirait rien d’autre que de la joie en voyant le travail acharné de son mari enfin récompensé. Pourtant, dès le coup de téléphone qui est venu sceller leur avenir, un pressentiment sinistre l’a envahie. Elle a l’impression qu’ils ne seront plus jamais seuls et que cette promiscuité les détruira. » – Catherine Leroux: Le mur mitoyen, Alto, 2013, S. 44