L’enfant dans la cage von William Drouin

Sixpé Clandres ist ein Junge, der von seinem Vater zum Schreiben gezwungen wird. So wie er seine Frau Laura zum Verfassen von Romanen gezwungen hat, setzt er dies bei seinem Sohn fort, nachdem sie sich das Leben genommen hat. Eines Morgens hört Sixpé Geräusche. Im nächsten Moment ist er auf dem Arm seines Vaters, sein Gesicht gegen dessen Schulter gedrückt. Er wird durch die Wohnung nach draußen getragen und in einem Käfig vor dem Haus für mehrere heiße Sommertage eingesperrt. Ein Heft und Stifte sind dabei seine einzige Ausstattung. Er notiert Dinge, die er nie gesehen hat, weil man sie vor ihm verborgen hat. Er schreibt nieder, wie sich seine Eltern kennengelernt haben und stattet es mit seinen Vermutungen und Erklärungen aus. So verschwimmt seine aktuelle, gravierende Situation mit Szenen der Vergangenheit. Aber die Konzentration auf die Vergangenheit hilft ihm in seiner gegenwärtigen Situation dabei, atmen zu können. Denn er wurde von einer Sekunde auf die andere sich selbst überlassen, mit all seinen Gefühlen, die er mal mehr und mal weniger explizit ausdrückt.

L’enfant dans la cage ist der Debütroman von William Drouin, gleichzeitig ist L’enfant dans la cage das Manuskript seines jungen Protagonisten, der zum Schreiben gezwungen wurde und der in seinem Schreiben sehr selbstreflexiv ist. Der Stil des Jungen ist reich an Metaphern und voller Phantasie, die den Leser manchmal daran zweifeln läßt, ob er, der von der Welt abgeschottete Junge, der Urheber des Niedergeschriebenen ist.

William Drouin geht in seinem Roman auch der Frage nach, ob Schreiben einen befreienden Aspekt haben kann. Sixpé jedenfalls ist ein Kind, das den Verlust seiner Mutter nicht verarbeitet. Für das Schreiben nach dem Tod seiner Mutter hatte er sich nicht selbst entschieden, sondern wurde von außen dazu gezwungen. So wirkt der Debütroman von William Drouin teilweise bedrückend und düster, es gibt aber auch Momente, in dem der Leser aufatmet. So mag L’enfant dans la cage, in dem der Autor mit seinem Stil und Thema überrascht, zuweilen eine herausfordernde Lektüre sein.
Weitere Romane des Autors sind bereits angekündigt.

 

 

William Drouin: L’enfant dans la cage
Roman
XYZ éditeur, 2014
140 Seiten
18,95 $

 

 

Ein Zitat:
« Ma mère s’appelait Laura. Je me dépêche d’écrire son nom comme une preuve de son existence au cas où un pacte viendrait m’en empêcher. Ses cheveux étaient blonds, dorés comme les sables aurifères, d’un éclat comme il ne s’en fait pas chez les teinturiers, et ses joues un peu rousses étaient tendres comme du beurre. Il en allait ainsi de sa description lorsque papa l’a vue pour la première fois devant les portes automatiques de la clinique. Maman avait rêvé qu’elle avait le cancer, comme ça lui arrivait souvent de se réveiller toute en sueur les deux seins dans ses mains en criant qu’elle allait mourir, elle avait rêvé qu’elle était malade et c’est ainsi que je m’explique sa présence devant les portes de la clinique. Les portes vitrées s’activaient pour tout et pour rien, s’ouvraient à la moindre poussière tombée dans l’œil détecteur, puis se refermaient à tout moment en un vif mouvement de glissière. Je n’ai jamais vu les portes en question, mais je n’ai jamais eu besoin de voir les choses pour les voir, ni d’entendre les choses pour les entendre, ni d’être quelque part pour y être quand même. » – William Drouin: L’enfant dans la cage, XYZ éditeur, 2014, S. 21