Vertiges von Fredric Gary Comeau

Eine Vielzahl von Figuren, eine Vielzahl von Orten und jeder hat seine Geschichte, versucht auf seine Art und Weise, sein Leben zu leben. Manchmal wird ihnen dabei schwindelig, manchmal verlieren sie den Bezugspunkt und irren umher.

Vertiges kommt als eine Sammlung von Kurzgeschichten, von den unterschiedlichsten Szenen daher, die aneinandergereiht allerdings einen Roman ergeben, in denen die Protagonisten sich annähern, dann wieder voneinander entfernen und schließlich doch irgendwann aufeinander treffen. Dabei leben sie an verschiedenen Orten der Welt und sind theoretisch meilenweit voneinander entfernt. Im ersten Moment haben sie auch nichts weiter miteinander zu tun, doch ihre Wege und ihr Drang, ständig durch die Weltgeschichte zu reisen, ohne dabei auf irgendwelche Entfernungen zu achten, führt sie einander näher und letztendlich an denselben Ort.

Was bedeutet es für Hope Fontaine, Victor Bouquet, Naguib, Jesús, Kazuo, Olivier, Antoine Bourque und all den anderen, eine Figur im Debütroman von Fredric Gary Comeau zu sein? Es bedeutet einen direkten oder indirekten Bezug zur Kunst zu haben. Es bedeutet, auf irgendeine Weise kreativ zu sein. Es bedeutet, das Gefühl der Ohnmacht und des Schwindels zu kennen. Es bedeutet, offen für andere zu sein, spontan zu sein und auch viel unterwegs zu sein, ohne geographische und sprachliche Grenzen zu fürchten.

Die Sprache ist manchmal unbestimmt, manchmal sehr deutlich. Sie ist bündig, um die Atmosphäre und Umgebung wie in einer Regieanweisung darzustellen und dann ist sie etwas ausladender. Fredric Gary Comeau integriert Bandnamen und Songtexte, Gedichte und Gemälde, egal woher sie kommen und welche Sprache sie vermitteln. Fredric Gary Comeau, selbst Dichter und Sänger aus Akadien, begann 1992 mit dem Text, aus dem 20 Jahre später der außergewöhnliche Roman Vertiges wurde.

 

 

Fredric Gary Comeau: Vertiges
Roman
Quai n° 5, 2013
200 Seiten
19,95 $

 

 

2013 erhielt Fredric Gary Comeau für seinen Debütroman den Prix Jacques-Cartier du roman et de la nouvelle de langue française.

Ein Zitat:
« La douleur, une sensation que tout le monde connaît. Possiblement la seule chose qui nous unisse vraiment. Nous avons tous mal entre la naissance et la mort. Nous apprivoisons tranquillement nos corps en passant par des milliers de maux, grands et petits, sans jamais trouver le mot juste pour les exprimer.
Nous sommes et serons toujours à sa merci. Nous ne cesserons de l’écrire, de la peindre, de la chanter. Nous chercherons par tous les moyens à la sublimer. Notre dernier souffle sera pour elle, et elle seule. » – Fredric Gary Comeau, Vertiges, Quai no 5, S. 21