Corbeau et Novembre von Stéphane Achille

Ein Mann sitzt in seinem Büro am Schreibtisch. Um den morgendlichen Hunger zu vertreiben, hat er sich gerade eine Schüssel mit Rice Krispies und Milch fertig gemacht. Doch anstatt sie zu essen, haut er die Schüssel mit seinem Ellenbogen um, als er aus einer Träumerei wieder in die Realität zurückkehrt. Die Schüssel, der Löffel, die Rice Krispies und die Milch landen auf dem Boden. Schnell eilt er zu der geöffneten Bürotür, um diese zu schließen und somit zu vermeiden, dass das irgendwer mitbekommt. Dabei tritt er in die Milchpfütze.

Der Mann heißt Charles-Alexandre. Er arbeitet in einem Unternehmen, das jegliche Art von Gebrauchsgegenständen testet und dann eine Gebrauchsanweisung dafür verfasst. Charles-Alexandre traut den Verbrauchern nicht und seit ihm diese Stelle angeboten wurde, achtet er akribisch darauf, dass alle Gefahren, die im Zusammenhang mit einem Gebrauchsgegenstand entstehen könnten, in der entsprechenden Anweisung enthalten sind. Er leitet die Abteilung und überwacht jeden Schritt und jeden Text seiner Mitarbeiter. Um die Kontrolle über alles zu wahren und um nichts zu vergessen, erstellt er auf dem Computer To do-Listen. Sie vermeiden Fehler, treiben ein Projekt voran und vermitteln ein wohltuendes Gefühl, wenn sie komplett abgearbeitet sind. Seine Art schottet ihn von seinen Kollegen ab. Er sucht auch nicht wirklich den Kontakt zu ihnen und empfindet das Auftauchen von Aline in seinem Türrahmen als nerviges Eindringen in sein Leben. Der Alltagstrott von Charles-Alexandre geht unverändert seinen Gang, tagein, tagaus bis zu dem Tag, an dem er die Nachricht erhält, dass Suzanne verstorben ist. Suzanne war die einzige Person in seinem Leben, die eine Rolle gespielt zu haben scheint und die Nachricht von ihrem Tod, die er in seinem Büro erhält, führt zu einem Zeitfenster, in dem er Dinge getan hat, an die er sich nicht mehr erinnert und die ihn am nächsten Tag in den Wahnsinn zu treiben scheinen.

Die Nachricht führt nicht nur zu einem unbewussten Handeln, sondern bringt auch die Erinnerung an einen Sommer in seiner Kindheit hervor. Was geschah im Sommer 1984, das ihn in diese verzwickte Situation an seinem Arbeitsplatz führt, an dem ihn alle bis auf Aline verspotten, die immer wieder plötzlich in seiner Tür steht?

In seinem Roman Corbeau et Novembre führt Stéphane Achille den Leser hin und her zwischen der Gegenwart, in der die Zeit still zu stehen scheint und einem Sommer, in dem der Ich-Erzähler als 10-Jähriger etwas erlebte, dass sein Leben veränderte.

 

 

Stéphane Achille: Corbeau et Novembre
Roman
XYZ éditeur, 2013
432 Seiten
29,95 $

 

 

Ein Zitat:
« Je dois me souvenir de tout. C’est mon travail qui l’exige et ça devrait même figurer comme premier point dans ma description de tâches : ne jamais échapper quoi que ce soit sous ma responsabilité. Ça en fait beaucoup pour une seule tête, toutefois, et je n’ai trouvé qu’une façon de m’en tirer : je fais des listes. Pour tout. Au travail, chaque projet que je gère commence par une To do list. Chacune est une série de tâches à abattre, et j’ajoute des tâches à la liste presque aussi rapidement que je les raye, jusqu’à ce que longtemps, très longtemps après avoir commencé, tout soit rayé. Le projet est alors terminé. J’aime ce moment où je peux classer le fichier dans le répertoire Archives. Il vient de quitter la catégorie À faire et j’en suis libéré, car rien de tout cela ne se fait sur papier, bien entendu. Le xxe siècle est révolue : chaque To do list est un fichier Excel.
Si je faisais des To do lists ailleurs qu’au travail, si je gérais ma vie au quotidien dans un fichier Excel, le chalet de Corbeau et Novembre serait sur ma liste depuis plus d’une vingtaine d’années : il serait intégré au matériau même de la vie, comme le réflexe de respirer, qu’on n’oublie jamais sans avoir à se le rappeler, même quand on dort. Le projet n’aurait jamais été terminé et le fichier jamais archivé. » – Stéphane Achille: Corbeau et Novembre, XYZ éditeur, 2013, S. 14