Le poisson von Dean Garlick

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einem Kreuzfahrtschiff. Sie liegen gemütlich auf einem Liegestuhl am Pool und nippen an ihrem Cocktail. Sie flirten mit der Kellnerin, die Sie mit Getränken versorgt. Als Sie die Kellnerin am Abend auf dem Deck wiedertreffen, wird sie von einem Mann bedroht. Sie eilen ihr zu Hilfe und werden so zur Zielscheibe des Mannes, der Sie kurzerhand über Bord befördert. Sie stürzen ins Wasser … und erwachen in einer merkwürdigen Umgebung, von dem Kreuzfahrtschiff keine Spur. Sie befinden sich inmitten des Romans Le poisson von Dean Garlick, der die Geschichten Jona und der Wal in einer modernen Fassung geschrieben hat. Der Wal ist bei Garlick ein Fisch, und Jona ist Patrick, der als Sozialarbeiter ein eher unspektakuläres Leben führt.

Im Inneren des Fisches erklärt ihm Edward, wie die Dinge dort laufen. Er war Anfang des 19. Jahrhunderts im Inneren des Fischs gelandet. Während Patrick sich das anhört, ist er immer noch ungläubig dessen, was ihm geschehen ist und meint, in einem Traum zu sein, aus dem er bald aufwacht. Bis dahin schickt er sich an, sein neues Lebensumfeld zu erkunden. Er trifft auf die unterschiedlichsten Menschen wie Anewa, den Maori, der seine schwangere Frau verloren hat oder Orlyg, den Barkeeper, der ein Gebräu herstellt, das hilft, die Sprachbarrieren der unterschiedlichen Anwesenden zu überwinden und dazu führt, dass alle sich verstehen können. Als er im Sumpf landete, vor dem Edward ihn gewarnt hatte, wird er von der schwarzen Hexe gerettet. Sie lebt abseits der Gemeinschaft im Bauch des Fisches, denn sie ist dort unerwünscht und es wird erzählt, dass sie Menschen entführe. Patrick hält sich aus diesen Dingen raus. Er durchsucht lieber all die Berge an Sachen, die von draußen angespült werden und findet darunter auch Sonderbares. Und als Ersatz für seine geliebte Ukulele dient ihm ein orientalisches Instrument namens Ud. Während die Tage vergehen und Patrick sich immer wieder fragt, ob das Realität oder Traum ist, taucht plötzlich Claire auf, die Kellnerin vom Kreuzfahrtschiff, die er beschützen wollte. Was machte sie hier? Und gibt es einen Weg nach draußen?

Der Roman von Dean Garlick, der aus Ontario kommt und in Montréal lebt, ist fabelhaft und mysteriös und bietet seinem Protagonisten Raum für die Auseinandersetzung mit dem Leben.

 

 

Dean Garlick: Le poisson
Roman
Les Allusifs, 2015
176 Seiten
17,95 $

 

 

Le poisson erschien in der französischen Übersetzung von René-Daniel Dubois 2015 bei Les Allusifs. Der Originaltitel des Romans lautet The fish und wurde 2010 bei Anteism Press veröffentlicht.

Ein Zitat:
« – Est-ce que j’ai bien entendu processus d’ingestion ?
– Eh bien ma foi, oui. Je suppose que vous pourriez dire que vous avez été choisi. Des individus de toutes sortes ont réussi au fil du temps à se frayer un chemin jusqu’ici mais il semble avoir une préférence marquée pour les altruistes. Peut-être sommes-nous plus agréables au goût ? Mais qui pourra jamais percer les secrets de sa pensée ?
J’opine. Peut-il s’agir d’autre chose que d’un rêve ? Que d’une hallucination ? Que d’un divorce radical d’avec la réalité ? M’enfoncer les jointures dans la cuisse ne donne rien, je décide en conséquence de jouer le jeu. Me réveillerai bien en temps et lieu.
– Alors… Edward. Vous-même, comment êtes-vous arrivé ici ? » – Dean Garlick: Le poisson, Les Allusifs, 2015, S. 26-27