Le fil des kilomètres von Christian Guay-Poliquin

Zehn Jahre sind vergangen, seit der Mechaniker seinem Heimatort und seinem Vater den Rücken gekehrt hat. Er fuhr mit dem Auto davon, brachte insgesamt 4763 Kilometer zwischen sich und seiner Vergangenheit. Der einzige Kontakt, der blieb, waren Telefongespräche. Und das letzte Gespräch löste etwas beim Sohn aus. Der Vater wurde überfallen. Er hörte sich aufgeregt und verwirrt an.

Weil an Arbeit wegen eines Stromausfalls sowieso nicht zu denken war, schnappte er sich die Katze, die mit ihren Krallen bereits auf seinen Armen Spuren hinterlassen hat, sperrte sie in einen Karton und legte sie ins Auto. Dazu kam noch seine Geldreserve, die er unter seinem Sitz deponierte und dann fuhr er los. Sein Ziel ist die Ostküste, wo er seinen Vater nach all den Jahren wiedersehen möchte. Die Distanz, die er hierfür zurücklegen muss, wird einige Tage in Anspruch nehmen. Er plant auf direktem Weg zu fahren, ohne zu schlafen und nur im Notfall anzuhalten. Doch der Stromausfall in seiner Fabrik war nicht das einzige Vorkommnis. Je weiter er Richtung Osten kommt, desto länger fehlt bereits der Strom. Und das wirkt sich bereits auf den Alltag aus. Lebensmittel werden knapp, Benzinpreise steigen in die Höhe und die Menschen werden einander misstrauisch. Es fehlt an Informationen und keiner weiß, was die Ursache der Panne ist. Der namenlose Mechaniker lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Er kann sich auf seine alte Kiste verlassen, kann sie im Notfall reparieren und hat auch ausreichend Geld dabei, um sich weiterhin Benzin, Zigaretten und was zu Essen zu leisten.

So reiht sich ein Kilometer an den anderen, tags- wie nachtsüber. Auf den größtenteils verlassenen Straßen, die durch eine öde Landschaft führen, nähert er sich langsam seinem Ziel. Doch auch wenn er keine Ablenkungen dulden wollte und sich keinen Schlaf gönnte, hält er an und nimmt eine Frau mit, die in dieselbe Richtung will. Sie ist genauso geheimnisvoll wie er und begleitet ihn durch die veränderte Umgebung, die mal menschenleer ist, dann aber bedrohlich wird. Man muss vorsichtiger werden und auf der Hut sein.

Wird er rechtzeitig bei seinem Vater ankommen? Und was bedeutet nur der Stromausfall, der sich von Osten nach Westen ausgebreitet hat? Christian Guay-Poliquin schickt seinen Protagonisten 4763 Kilometer durchs Land, begleitet von der Ungewissheit und der Erinnerung an die Vergangenheit in einem weltuntergangsnahem Szenario. Er verkürzt Kilometer um Kilometer und dabei steigt die Spannung, die Spannung dessen, was eigentlich geschehen ist und das inmitten einer fiktiven Welt, die unbenannt bleibt und auch einem Traum gleichen könnte.

 

 

Christian Guay-Poliquin: Le fil des kilomètres
Roman
La Peuplade, 2013
232 Seiten
23,95 $

 

 

Ein Zitat:
« Kilomètre 135
Dans mes oreilles, le sifflement du voyage est une langue étrangère que je connais bien, mais je n’y prête pas attention. Je me concentre sur le tangage de mon automobile chargée d’outils. J’ai l’impression d’être à la barre d’une embarcation fragile sur une mer qui cherche à se soulever.
Je refais à l’envers le chemin parcouru, il y a longtemps, comme on remonte un long fleuve sans affluents. Entre-temps, tellement de détours, tellement de rencontres sans lendemaint, de rêves alourdis par l’alcool, de lendemains de veille, d’argent flambé sur des comptoirs de gens bruyants, de barmans avides de pourboires, tellement de ruses et de dérobades, tellement de mensonges, que je ne crois plus aux histoires. Ni aux miennes, ni à celles qu’on me raconte.
Je conduis et je regarde les cicatrices sur mes mains, mes avant-bras. Des traces laissées par tous ces accidents de travail. Ce tournevis que je me suis planté dans la main gauche, il y a à peine trois semaines. Ce capot qui s’est subitement refermé sur mon bras, à mon arrivée à la raffinerie. Et ces coupures, que je nomme mes saignées quotidiennes, devenues des centaines de petites lignes blanches sur mes jointures, dans le creux de mes paumes. Chaque jour, le métal retroussé d’une carrosserie ou une pièce mécanique me forçait à mêler un peu de mon sang à l’huile noire des moteurs. » – Christian Guay-Poliquin: Le fil des kilomètres, La Peuplade, 2013, S. 40-41