Makarius von Sergio Kokis

Es ist das Leben eines Mannes, den Carlos Schulz nur ab und an gesehen hat, wenn er seinen Lehrer Otto Gorz in dessen Atelier in Brasilien besuchte, das ihn kontinuierlich beschäftigt. Der Mann, dessen Name Makarius war, saß still und in Gedanken verloren in dem Atelier. Sein äußeres Erscheinen und das bewegte Leben, das er gelebt hatte, hat sich in das Gedächtnis des Künstlers Carlos Schulz eingebrannt. Als dieser mittlerweile Brasilien verlassen hatte und als Graphiker in Italien arbeitet und lebt, schwirrt Makarius immer noch in seinen Gedanken umher.

Rund um diese Figur erschafft Carlos schließlich eine Lebensgeschichte, die von wenigen realen Spuren und der Lektüre zahlreicher Bücher ausgeht. Es ist die Geschichte eines Mannes, der so viel Schreckliches in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebt hat, der an zahlreiche Orte aus positiven und negativen Gründen gelangte und dabei immer versucht hat, seiner Kunst dem Mimenspiel treu zu bleiben. Ausgehend von der Rekonstruktion des Lebens von Makarius entwirft Carlos ein künstlerisches Werk zum Thema des Totentanzes. Es ist sein erstes persönliches Kunstprojekt, dem er sich erst zaghaft und dann bestimmt zuwendet. Während der Arbeit an seinem Totentanz illustriert er Bücher und unterhält sich regelmäßig mit seinem Freund Jaccobo Lunardi und mit ehemaligen Weggefährten von Makarius über Kunst, seine Arbeit und den Tod.

In seinem neuesten Roman betrachtet Sergio Kokis den Ersten Weltkrieg und die Zeit danach bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aus einer Perspektive, die an den Mimen Makarius geknüpft ist. Dabei führt er den Leser an verschiedene Schauplätze und lässt vor dessen Auge die unterschiedlichen Kulturszenen z.B. in Berlin, Paris und Istanbul entstehen. Die Passagen des Rückblicks alternieren mit den Passagen, in denen der Antrieb von Carlos Schulz beschrieben wird, der sich fast wie besessen dem Mimen zuwendet. Er rekonstruiert, teilweise als reine Imagination, das Leben von Makarius, der so viel gesehen und erlebt hat, dass er zum Schluss das Vergessen im Alkohol sucht.

Makarius ist ein vielschichtiger Roman voller kultureller Referenzen und Reflexionen u.a. über Kunst, Tod und Krieg. Er lebt von den Erinnerungen und detaillierten Beobachtungen seiner Figuren, die auf der Suche nach sich selbst sind.
Die Figur Makarius erschien bereits in Sergio Kokis` Romanen Saltimbanques (2000) und Kaléidoscope brisé (2001).

 

 

Sergio Kokis: Makarius
Roman
Lévesque éditeur, 2014
482 Seiten
35 $

 

 

Ein Zitat:
« Il revoyait le vieil homme silencieux, un peu perdu dans ses pensées, qui pouvait rester longtemps dans un coin de l’atelier du professeur Gorz à étudier une partie d’éches. Quand le peintre recevait la visite de son étudiant Carlos, Makarius ne parlait presque jamais. […] L’expressionn continuelle de tristesse ou d’amertume sur son visage trahissait une vie émotionnelle tendue, même s’il ne l’extériorisait jamais. À d’autres moments, Carlos se souvenait aussi de l’homme très grand, au corps d’athlète, qu’il avait recontré pour la première fois en tant que modèle pour une classe de destin. […] Les marques étranges que Makarius portait en travers du dos étaient visiblement des cicatrices. Bien plus tard, après la disparition du mime, Otto Gorz allait lui apprendre qu’il s’agissait en fait des cicatrices du fouet métallique avec lequel on avait torturé Makarius lors de son séjour dans un camp de concentration. » – Sergio Kokis: Makarius, Lévesque éditeur, 2014, S. 106