Hollywood von Marc Séguin

Am 24. Dezember 2009 verlässt ein Paar am Nachmittag in New Jersey gemeinsam ihre Wohnung. Es wird das letzte Mal sein, dass sie gemeinsam unterwegs sein werden, denn Branka Svetidrva stirbt. Gerade als sie draußen angekommen sind, wird sie von einer verirrten Kugel tödlich getroffen und bleibt regungslos auf dem Boden liegen. Ihr Freund bleibt allein zurück.

Dieses Ereignis steht am Anfang der Erzählung des Zurückgeblieben, der namenlos bleibt und der seine Geschichte langsam zu erzählen beginnt. Nachdem er Branka zurück gelassen hat, irrt er ziellos durch die Gegend bis er in Brooklyn landet. Er versucht das soeben Geschehene erst einmal zu verdrängen und versucht es in Alkohol zu ertränken. Doch das Bild des Todes seiner Freundin kehrt immer wieder, genauso wie andere kurze Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit. Erst mit der Zeit fügen sich die fragmentarischen, ungeordneten Erzählungen zusammen.

In dem zweiten Roman des Künstlers und Autors Marc Séguin geht es um Liebe, um die Suche nach einem Sinn und das Treffen von Entscheidungen. In einem locker gesponnen Gerüst wird erzählt, wie zwei Jungs zusammen aufgewachsen sind und die selbe Frau liebten, wie Branka ihren Weg nach New Jersey gefunden hat, wie Sarah und Henry sich dazu entschieden, ein Leben am Rande ihrer Gesellschaft zu leben und den Erzähler an einem Abend in Brooklyn bei sich aufzunehmen und ihm zuzuhören. Dabei streut der Autor Orientierungspunkte in sein Gerüst ein, so dass der Leser sich in den verschiedenen Zeiten und Orten, die evoziert werden, zurecht finden kann.

 

 

Marc Séguin: Hollywood
Roman
Leméac, 2012
182 Seiten
19.95 $

 

 

Der Roman erscheint demnächst in englischer Übersetzung von Kathryn Gabinet-Kroo im Verlag Exile Editions unter dem Titel Hollywood: A New York Love Story.
Im vergangenen Jahr war der Roman in der finalen Runde für den Prix littéraire du Gouverneur général und auch für den Prix des libraires du Québec.

Ein Zitat:
« Je n’ai pas vécu l’exil, je ne suis pas apatride, déporté, torturé, orphelin, miséreux ni sinistre. Je n’ai pas la peau noire au milieu d’une majorité blanche. Je ne suis pas l’unique survivant d’un génocide tribal. Je n’ai jamais pris la même barque que les boat people. On ne m’a jamais secouru sous les décombres d’une catastrophe. Je ne sais de la nature humaine que ce que les livres, la télévision ou le quotidien américain veulent bien célébrer et financer. Quand on connaît un mort, il me semble qu’on est plus vivant pour les autres. Surtout si ça implique de la violence ou une injustice. Il y a un respect hypocrite et nerveux dans l’onde de choc qui vient avec le drame. Concentrique. Un jouet dans des céréales trop scurées. » – Marc Séguin: Hollywood, Leméac, 2012, S. 8