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quélesen: Cataonie von François Blais

François Blais ist zurück mit einem neuen Kurzgeschichtenband. Nach Sam und vielen weiteren Veröffentlichungen interessiert er sich in Cataonie für die absurden Lebensvorkommnisse eines eigenartigen, zuweilen unsympathischen Autors, Monsieur B… genannt, der in einer anderen Zeit zu leben scheint, in der man noch mit Exzellenz angesprochen wird und alles förmlich scheint. Dennoch gibt es dort das Internet und all seine Möglichkeiten der Recherche und Kontaktaufnahme.

In der ersten der sechs Kurzgeschichten, „Combien?“, arbeitet der Autor an einem Manuskript und versucht es vor dem Versand an seinen Verlag auf alle Eventualitäten von Kürzungen und Umschreibungen im Lektorat auf eine bestimmte Anzahl an Worten zu bringen. Er ist jemand, der nach dem Motto ganz oder gar nicht lebt. Die Besessenheit vom Umfang seiner Geschichte führt ihn dazu, neben dem Wortzählprogramm der Textsoftware jemanden zu engagieren, der die Wörter nachzählt. Schließlich zählt er selbst auch noch nach. Das Resultat sind drei unterschiedliche Ergebnisse und die Vernichtung des Manuskripts sowie der Versuch, es wieder herzustellen. Die Liebe zu einer kleinwüchsigen Kassiererin lässt ihn immer dann einkaufen, wenn sie an der Kasse ist – nie mehr als fünf Artikel, denn sonst müsste er sich woanders anstellen. Diese Liebe führt zum Bruch mit seiner Freundin und lässt in ihm den Wunsch aufkommen, mit der Kassierin zu verreisen. Er erfährt ziemlich spät, dass sie gerade geheiratet und den Job im Supermarkt aufgegeben hat. Nachdem er eine Jugendzeitschrift auf dem Flohmarkt gekauft hat und die Pointe auf der Seite eingesandter Leserwitze fehlt, unternimmt er alles, um die Pointe zu erfahren.

Die Kurzgeschichten fügen sich wie einzelne Kapitel eines Romans aneinander. Es ist auch wieder der Humor, der bei François Blais mitschwingt, der das Lesen seiner aberwitzigen Geschichten zu einem Vergnügen werden lässt. Auch die Literatur – aus Québec oder der Welt – fand erneut Eingang in sein Schreiben, in dem er Themen wie Erfolg, Liebe, Freundschaft und sozialen Aufstieg aufs Korn nimmt.

François Blais: Cataonie
Erzählung
L’Instant Même, 2015
120 Seiten
16,95 $


Ein Zitat:
« S’il fallait que j’obtinsse un cinquième total, différent des autres, ma raison flancherait pour de bon, je passerais de l’aimable monomanie à la folie, la vraie, celle qui vous fait couvrir de vos excréments les murs de votre cellule capitonnée, en hurlant des prophéties. Plus j’y réfléchissais, plus la boutade de Firmin m’apparaissait comme la seule issue possible. Oui, tout effacer, rayer d’un coup trois ans de labeur pour échapper à l’affreuse torture du doute. Surtout, ne plus rien écrire, jamais, sinon un haïku de temps en temps. Mon manuscrit n’existait à cette heure qu’à l’état numérique. Je tenais pour acquis que le compteur de mots, en professionnel consciencieux, avait détruit le document sitôt son travail accompli ; ne restait qu’à supprimer le fichier contenu dans mon disque dur, ainsi que ma copie de sauvegarde, pour que Les tourments de Serge retouren au néant. » – François Blais: Cataonie, L’Instant Même, 2015, S. 17